„If only I had refrained from Jalapeno Juice...“
Wir
alle wissen: Die Tage des Saturns sind längst gezählt, und mit dem Tod von Segas schwarzer 32-Bit-Hoffnung ist auch eine
Reihe einzigartiger Spiele untergegangen, die heute höchstens noch auf Flohmärkten oder in diversen Internet-Auktionshäusern
zu finden sind. Dieses Review ist einem dieser unvergesslichen Spitzentitel gewidmet, nämlich Dark Savior, einem 3D-Action-RPG
aus dem Jahre 1996/1997, entwickelt von Climax Entertainment.
Von den Fans als "spirituelles Sequel" zu Landstalker (1992 für Mega Drive / Genesis erschienen) gehandelt, ist Dark Savior unter
Rollenspielern ein eher unbeschriebenes Blatt. Ebenso günstig fällt in der Regel auch der Preis aus, den man z.B. bei eBay für
dieses Spiel hinlegt. Doch nichtsdestotrotz wird Dark Savior vor allem seiner Fangemeinde als unvergessliches Rollenspielerlebnis
in Erinnerung bleiben.
Insgesamt ist Dark Savior ein Misch aus Action-Adventure, Platformer, RPG und Pseudo-Kampfspiel. Obwohl die Handlungsstränge
kaum Parallelen zu Landstalker aufweisen, spielen sich beide Titel doch recht gleich. Was Dark Savior aber nun spielenswert macht,
erfahrt ihr im Folgenden...
Story:
Nachdem es einem Team von berühmten Kopfgeldjägern endlich gelang, die Kreatur Bilan in einem erbitterten Kampf zu bezwingen,
wurde das Monster gefangen genommen und auf ein Schiff zur Gefangeneninsel Jailer's Island geladen. Um zu bestimmen, wer Bilan
auf dem Weg zur Insel bewachen sollte, zogen die Teammitglieder untereinander Strohhalme. Garian, ein Mitglied des Teams und
gleichzeitig Held der Geschichte, meldete sich freiwillig, mit den Anderen zu gehen, um die Hinrichtung Bilans mit eigenen
Augen sehen zu können.
Doch das Team hat Bilans Macht unterschätzt. Das Monster kann sich aus seinem Käfig befreien und hinterlässt eine Spur
der Verwüstung. Schließlich flieht es vom Schiff und steuert aus unbekannten Gründen genau auf Jailer's Island zu, dem
Ort, wo es ursprünglich hingerichtet werden sollte. Doch was treibt Bilan dorthin?
Nachdem auch Garian auf der Insel angekommen ist, gerät er in ein Netz von ebenso geheimnisvollen wie welterschütternden
Ereignissen. Offenbar planen die Gefangenen eine Revolte gegen ihre Unterdrücker und den Gefängnisdirektor Kurtliegen,
der die Häftlinge dazu missbraucht, in einem geheimen Bergwerk unter der Insel eine merkwürdige Substanz abzubauen.
Überhaupt ist die Insel schon seit Jahrhunderten im Familenbesitz der Kurtliegens, welche einst sehr vermögend und
einflussreich gewesen sein sollen. Doch mit der Zeit schrumpfte das Vermögen so weit, dass man sich gezwungen sah,
die Insel in ein Gefängnis umzuwandeln. So baute man Gefängnisgitter- und Zellen in alte Schlösser ein, die auch
voll von geheimen Durchgängen und Fallen aller Art sind.
Ein weiteres Mysterium der Geschichte ist die Ninja-Frau Kay, die vom Königreich Lavian auf die Insel gekommen ist.
Welche Beziehung hat sie zu Bilan und was hat es mit der Blauen Rose auf sich?
Schließlich wacht Garian aus seinem seltsamen Alptraum auf und stellt fest, dass er sich noch immer an Bord des Schiffes
befindet. Doch was ist das? Auf seinem Kopfgeldjäger-Handbuch liegt doch tatsächlich die Blaue Rose, dieselbe wie aus
seinem Traum. Hat Garian etwa zukünftige Ereignisse vorhergesehen? Man wird es bald herausfinden...
Grafik:
Dank des eigens von Climax entwickelten Hyperion-Systems birgt Dark Savior eine nahezu perfekte Kombination aus 2D-Sprites
und 3D-Polygonen. Die handgemalten Sprites passen sich größentechnisch wie auch farblich wunderbar an ihre Umgebung an,
ganz gleich aus welchem Winkel man sie betrachtet. Die Charaktere strotzen vor detailreichem, farbfrohen Design und
bestechen durch wunderschöne Animationen.
Gesteuert wird die Figur aus einer Überkopf-Perspektive von schräg-oben, mit Möglichkeit zum Zoomen, Rotieren und
Bewegen der Kamera in alle Richtungen. Dies geht sehr gleichmäßig und weich von statten, jedoch kann man nicht
die Perspektive ändern und gleichzeitig seine Figur steuern. Sobald man Garian wieder bewegen möchte, springt die
Kamera in ihre ursprüngliche Position zurück. Insofern nützt diese Funktion lediglich zum Auffinden von versteckten
Gegenständen oder zum Überblicken gefährlicher Sprungpassagen. Manchmal sieht man auf diesem Wege aber auch Räume
und Höhlen, die schon besucht wurden oder noch auf den Spieler warten.
Kleinere Grafikfehler schleichen sich hin und wieder beim Bewegen der Kamera ein. So kann es passieren, dass die Sprites
während des Schwenkens kurzfristig aus ihrer Position geraten, dann aber wieder korrekt einrasten. Dies fällt
beispielsweise bei Szenen aus einer Ego-Perspektive stark auf.
Desweiteren werden Sprites stark verpixelt, sobald man zu nahe an ihnen dran ist. Bei normaler Perspektive hingegen sehen
die Grafiken meist sehr schön aus. Hübsch anzusehen ist auch das Light-Sourcing, das in Dark Savior vermehrt zum Einsatz
kommt. Und wer immer noch meint, der Saturn könne keine Transparenz darstellen, irrt ebenfalls.
Die gigantische 3D-Welt, in der Dark Savior spielt, ist förmlich übersät von lebhaften Städten, antiken Schlössern,
düsteren Katakomben, knallbunten Sümpfen und einer Vielzahl gefährlicher Dungeons. Jeder Ort ist einmalig und prägt
sich seines Aussehens wegen ganz sicher niemals negativ ins Spielergedächtnis ein. Die 3D-Hintergründe überzeugen
immerzu durch farbfrohes Design - scharf, klar und detailreich. Noch nie war ein grüner Hügel grüner als in Dark
Savior. Doch leider ruft zuviel dieser Schönheit immer wieder kleinere Slowdowns hervor, die den Saturn mitunter
an seine Grenzen reißen.
Alles in allem ist Dark Savior grafisch definitiv einer der stärksten Saturn-Titel, nicht zuletzt wegen seiner
atemberaubenden Videosequenzen, von denen es im Spiel aber leider nicht allzu viele zu sehen gibt.
Gameplay:
In Abhängigkeit von der Zeit, die ihr zu Beginn des Spiels an Bord des Frachters verbringt, wird eine von fünf
verschiedenen Parallelstories eingeleitet. Dabei sind die Orte, die ihr besucht, größtenteils die gleichen,
jedoch ist die Story jedesmal eine andere und ihr bekommt es mit neuen Herausforderungen und jeweils einem
anderen Endgegner zu tun. Während die ersten zwei Parallelwelten durch großartige, gut voneinander getrennte,
individuelle Stories und Spieleinlagen überzeugen, sind die anderen drei Parallelwelten leider recht kurz
ausgefallen. In der japanischen Originalversion von Dark Savior soll es sogar eine sechste Parallelwelt
gegeben haben, die aber aus Zensurgründen aus der westlichen Version entfernt wurde.
Sobald eine Parallelwelt abgeschlossen ist, wird das Spiel gespeichert und beginnt beim Laden wieder an Bord des
Frachtschiffes. Garian scheint in einer Zeitschleife festzustecken und muss die Kabine des Kapitäns nun in einer
kürzeren oder längeren Zeit als vorher erreichen, um eine andere Parallelstory einzuleiten. Welche Parallelwelten
bereits besucht und abgeschlossen wurden, könnt ihr beim Laden eines Spielstandes sehen, dargestellt durch goldene
Sterne.
Die Steuerung des Helden ist simpel und nicht allzu vielfältig. Garian kann diagonal gehen, rennen, springen und
einen Schwerthieb ausführen. Mit den restlichen Tasten wird die Kameraperspektive geändert. Der Sinn des Spiels
besteht zusammenfassend darin, von Ort zu Ort zu laufen, mit Leuten zu reden (die aber nur selten Neues berichten),
Kämpfe zu absolvieren, Gegenstände zu finden, Fallen zu überwinden und diverse Puzzles zu lösen. Dabei läuft man
über Brücken, überquert Flüsse, verschiebt Blöcke, durchquert dunkle Dungeons, usw.
Was einem aber wirklich das allermeiste Geschick abverlangt, sind die zahlreichen Sprungpassagen im Spiel. Wie schon im
Vorgängerspiel Landstalker, werdet ihr immer wieder mit riskantem Hin- und Hergehüpfe von einer schwebenden Plattform zur
nächsten konfrontiert sein. Diese bewegen sich in alle Richtungen, von Oben nach Unten, von Links nach Rechts, mit
unterschiedlichem Tempo. Den Höhepunkt dieser waghalsigen Sprungeinlagen bildet das Silver Castle aus einer der
späteren Parallelwelten. Dieses schwebende Luftschloss bietet so ziemlich alles an halsbrecherischen Herausforderungen,
was man sich vorstellen kann. Ein falscher Schritt oder auch nur der kleinste Fehler, und Garian darf von
vorne anfangen. Wer diesen Spielabschnitt perfekt beherrscht, braucht sich um das übrige Plattform-Gehopse in Dark Savior
keine Sorgen mehr zu machen.
Frustrierend werden diese Sprungmanöver jedoch durch die oftmals ungünstige Kameraperspektive, die sich zwar beliebig
ändern, jedoch nicht fixieren lässt. So muss Garian immer aus der Normalperspektive gesteuert werden,
weil man nicht gleichzeitig ihn und die Kamera bewegen kann.
Ein weiteres Highlight des Spiels ist die Fahrt mit dem Minenwaggon. Viele Spieler werden diesen Abschnitt als
frustrierend und unübersichtlich empfinden, aber eben das macht den Reiz des Minispiels aus. Hier ist präzises
Timing gefragt, um alle Lücken im Gleis rechtzeitig überwinden zu können, ohne dass Garian abstürzt und von
vorne beginnen muss. Die Fähigkeit, sich alle Hindernisse auf der Strecke einzuprägen, ist hier von großer
Wichtigkeit.
Die Puzzles in Dark Savior knüpfen hervorragend an Landstalker an. Fans des Vorgängers werden mit Sicherheit
nichts zu meckern haben. Mal muss man eine Reihe von Schaltern betätigen, mal müssen Totenköpfe durch einen
Ring geworfen werden, mal muss man mathematische Aufgaben lösen, und und und. Manchmal muss Garian sogar
verletzte oder gefangene Freunde durch die Gegend tragen (und schmeißen), während er all diese Rätsel löst.
Richtig knifflig wird's später im Gold Castle oder im Ancient Tomb, wo besonders viele Puzzles auf den Spieler
warten.
Unterstützung auf seiner langen Reise erhält Garian durch verschiedene verrückte Vögel, wie beispielsweise seinem
treuen Partner Jack, einem blauen Papagei, der immer an seiner Seite ist und ihm in (fast) jeder Notsituation aus
der Patsche hilft. Er kann euren Level erhöhen, sobald ihr eine gewisse Anzahl von Kopfgeldjäger-Lebenspunkten (die "Währung" in Dark Savior)
gesammelt habt. Oder er gibt euch Hinweise, was als nächstes zu tun ist - ebenfalls gegen "Bares" natürlich.
Desweiteren könnt ihr durch ihn eure Trefferpunkte für Kampf und Abenteuer erhöhen bzw. regenerieren lassen.
Sollten irgendwann keine Kopfgeldjäger-Lebenspunkte mehr zur Verfügung stehen,
kann Jack euch nicht mehr aus der Klemme helfen und das Spiel ist vorbei. Wahrscheinlich werdet ihr diesen Fall erstmalig beim
Besuch im Silver Castle erleben.
Neben Jack gibt es noch Kaiser Snakebird (grauer Papagei) und Regina (rot). Kaiser ist ein Buchhalter und kann
Garians Spielfortschritt aufzeichnen, was natürlich immer dann nützlich ist, wenn ihr gerade vor einer
schwierigen Situation (wieder sei das Silver Castle erwähnt) steht oder gerade eine gemeistert habt.
Regina ist eine weitere gefiederte Freundin, die euch mit Kopfgeldjäger-Lebenspunkten versorgt, wenn ihr sie mit
Schokolade (bzw. Zigaretten im Original), Zeitschriften (Schmuddelheftchen?) und Flaschen mit Jalapenasaft
(Schnapps?) bezahlt. Haltet euch solche Gegenstände also immer in Reserve, für den Fall dass Regina irgendwo
auf Kunden wartet.
Da Dark Savior nicht sehr Item-orientiert ist, werdet ihr im Laufe des Spiels nur wenige Gegenstände
und noch viel weniger Ausrüstung wie neue Waffen oder Harnische finden. Schade eigentlich, wenn man
bedenkt, wie gut ein System mit vielen Items in Landstalker funktioniert hat. Insgesamt lebt Dark
Savior mehr von seinen Puzzles und den waghalsigen Sprungmanövern.
Kampfsystem:
Was sich seit Landstalker ebenfalls verändert hat, ist das spieleigene 1-on-1-Kampfsystem. Dieses ähnelt in gewisser
Weise früheren Beat-'em-Ups wie z.B. Street Fighter, nur mit der Ausnahme, dass es wesentlich weniger Moves gibt, die
euer Charakter ausführen kann. Genauer gesagt könnt ihr lediglich laufen, mit dem Schwert angreifen, Angriffe blocken,
Springen und eine Spezialtechnik ausführen. Bewegungen nach links oder rechts sind nicht möglich, ihr könnt euch
ausschließlich auf einer geraden Linie vor- und zurückbewegen.
Jeder Kämpfer hat einen eigenen Kraftbalken, der am oberen Bildschirmrand angezeigt wird und Auskunft darüber gibt,
wie viele Trefferpunkte ein Charakter noch besitzt. Darunter befindet sich ein kleinerer Kraftbalken, der anzeigt,
wie weit die Spezialattacke des jeweiligen Kämpfers aufgeladen ist. Dies erfolgt durch Gedrückthalten der
Angriffstaste, woraufhin ein Sog-ähnliches Geräusch ertönt und der Balken sich langsam, aber sichtbar auflädt.
Sobald der Balken blinkt, ist die Spezialtechnik einsatzbereit und kann den Gegner nun besonders hart verletzen
bzw. gefangennehmen, wozu wir gleich noch kommen.
Um Angriffe abzuwehren bzw. Spezialtechniken abzuschwächen, kann Garian in Verteidigungsposition gehen. Dazu wird das
Steuerkreuz in die entgegengesetzte Laufrichtung bewegt, während der Spieler gleichzeitig die A-Taste drückt. Wie
hoch eure Kampfwerte, sprich Angriff, Verteidigung und Geschwindigkeit ausfallen, entscheidet sich letztlich über
euer angelegtes Equipment. Garian kann im Laufe des Abenteuers verschiedene Waffen und Harnische finden, die
allesamt ihre eigenen Kampfwerte besitzen.
Ein Kampf kann auf zwei Arten gewonnen werden: Entweder man gewinnt 2 Runden, in denen der Gegner jeweils
K.O. geschlagen wird, oder man gewinnt 1 Runde und nimmt den Gegner am Ende der zweiten Runde gefangen,
sofern das Spiel dies erlaubt. Im Falle von Letzterem erscheinen über dem Gegner kurzzeitig die Worte
"Capture Chance", die dem Spieler signalisieren, dass der Gegner eingefangen werden kann. Doch bevor
ihr nun alle Taschen nach einem Pokéball absucht, solltet ihr lieber einen Blick auf euren Spezialbalken
werfen und zusehen, dass dieser möglichst schnell voll aufgeladen wird. Denn nur mit der Spezialattacke
lässt sich ein Gegner einfangen, und auch nur solange die Worte "Capture Chance" über ihm blinken.
Insofern ist es immer sinnvoll, den Spezialbalken kurz vor Kampfende so weit wie möglich - jedoch nicht
ganz - aufzuladen, um rechtzeitig reagieren zu können.
Habt ihr den Gegner dann schließlich einfangen können, steht dieser in zukünftigen Kämpfen als Ersatz für
Garian zur Verfügung, was angesichts der immensen Stärke und Schnelligkeit mancher Gegner sowie ihrer
besonders starken Spezialattacken sogar enorm von Vorteil sein kann. Zudem erhält man bei jeder Gefangennahme
einen extra "Capture Bonus" zu den gewonnenen Erfahrungspunkten. Jedoch muss gesagt sein, dass das Spiel auch
dann vorbei ist, wenn ihr einen Kampf nicht mit Garian, sondern mit einem der gefangen genommenen Charaktere verliert.
Es ist also nicht so, dass nach eurem K.O. einfach ein anderer Charakter aus der Reserve
antreten und für den gefallenen Kameraden weiterkämpfen kann. Dann heißt es knallhart Game Over, aber da
die Kämpfe in Dark Savior wirklich nicht allzu schwer zu gewinnen sind, werdet ihr vermutlich sowieso kein
einziges Duell verlieren, im gesamten Spiel nicht.
In der Regel laufen die Gefechte ohnehin nach folgendem Muster ab: Man nimmt Anlauf, rast auf den Gegner
zu, verpasst ihm eins mit dem Schwert, rennt zurück, wartet bis der Gegner wieder auf den Beinen ist und
wiederholt den Vorgang. Mit dem richtigen Rhythmus kann so jeder Kampf gewonnen werden, ohne dass Garian
bzw. sein Vertreter auch nur einen einzigen Treffer vom Gegner hat einstecken müssen. Ein recht
stumpfsinniges, jedoch keineswegs langweiliges Kampfsystem. Es macht nämlich tierischen Spaß, seine
Kontrahenten gefangen zu nehmen und in späteren Gefechten einzusetzen, allein um zu sehen, was die neuen Kämpfer so an
Kampftechniken (z.B. Fernangriffe) draufhaben. Außerdem steckt natürlich auch immer der Ehrgeiz im
Spieler, nicht vom Gegner getroffen zu werden, um einen perfekten Kampf hinzulegen.
Musik:
Musikalisch geht Dark Savior eher dezente Wege. Es gibt lediglich zwei, drei Stücke auf dem Soundtrack,
die wirklich markant sind, wie z.B. das sehr beliebte Thema von Garian, "Lonesome Soldier", oder "SeaBandits",
das furchterregende, von Trommelschlägen untermalte Techno-Thema von Bilan.
Innerhalb der Dungeons wirkt die Musik sehr energisch, aber das Spiel hat auch heitere bis dramatisch-traurige
Melodien zu bieten, die der jeweiligen Situation im Spiel stets gerecht werden. Meist werden die Stücke durch
dezente Beats im Hintergrund verstärkt, was offenbar ein Markenzeichen des Soundtracks ist.
Von den Hauptfiguren im Spiel hat fast jeder seine eigene Melodie, die auch recht gut auf den jeweiligen Charakter
abgestimmt ist. Diese Stücke treten in der Regel sehr abrubt ein, um den Charakter in gebührendem Maße
vorzustellen. Bestes Beispiel für solche Szenen ist das Thema des schrecklichen Bilan.
Insgesamt hat das Spiel fünf verschiedene Ending Songs, für jede Parallelwelt einen. Ein Sound-Test im Optionsmenü
erlaubt dem Spieler sogar, in den kompletten Soundtrack beliebig reinzuhören. Ein nettes Feature, das aber
leider nicht allzu benutzerfreundlich ausgefallen ist.
Sound:
Auch wenn es in Dark Savior nicht allzu viele verschiedene Soundeffekte gibt, klingen diese doch sehr
klar und authentisch. Neben dem markanten "Swoosh" eures Schwertes hört man meistens die Geräusche geöffneter
Türen, erledigter Schergen, umgelegter Schalter und aufgehobener Gegenstände. Natürlich gibt auch eure
Spielfigur verschiedene Geräusche von sich, z.B. ein kleines Stöhnen bei erlittenem Schaden oder im
Extremfall einen lauten Schrei. Letzteren bekommt man aber eher von anderen Personen zu hören, und
dies nicht zu selten.
Was etwas komisch rüberkommt, sind die teilweise verzögerten Treffergeräusche, die manchmal den Anschein erwecken,
dass Garian einen Schalter betätigt hat, noch bevor die Schlaganimation eingeleitet ist. Dabei handelt es sich
zwar nur um Bruchteile von Sekunden, aber es fällt bei genauerem Hinsehen doch auf.
Dark Savior hat keine direkte Sprachausgabe, stattdessen werden die eingeblendeten Texte von kurzen, schnell
aufeinander folgenden und in der Tonhöhe variierenden "Beeps" unterlegt, die insgesamt eine sehr niedliche Alternative
zu den fehlenden Stimmen darstellen (insbesondere im späteren Spielverlauf, wenn man auf den knuffigen J.J. trifft).
Da viele Soundeffekte und Melodien nur in bestimmen Parallelwelten vorkommen, wird man die fünf Kapitel komplett
durchspielen müssen, um in den vollen Genuss des Soundtracks zu kommen. Oder man greift halt auf den zuvor
erwähnten Sound-Test im Optionsmenü zurück.
Fazit:
Abschließend lässt sich zu Dark Savior sagen, dass es insgesamt ein würdiges, wenn auch nur indirektes Sequel zum
klassischen Mega-Drive-RPG Landstalker ist. Aufgrund seiner Vielschichtigkeit und den vermischten Genres findet
dieses Spiel seinen Schwerpunkt definitiv im Bereich Action-Adventure und Platformer, ist insofern also kein
wirkliches Rollenspiel.
Grafisch hat dieses Spiel eine schöne Kombination aus 2D-Sprites und 3D-Hintergründen zu bieten. Die Charaktere sind
liebevoll gestaltet, strotzen vor Farbreichtum und sind darüber hinaus auch sehr schön animiert. Ebenso sind die
3D-Hintergründe scharf, klar und kräftig in den Farben. Leider jedoch führen zu viele Details auf dem Bildschirm
hin und wieder zu bösen Slowdowns. Insgesamt ist Dark Savior grafisch aber eines der stärksten Saturn-Spiele,
trotz kleinerer Darstellungsfehler beim Rotieren der Kamera.
Die Story ist in 5 verschiedene Parallelwelten unterteilt, die sich untereinander teils sehr stark, stellenweise
aber leider zu wenig unterscheiden. Dennoch macht es Spaß zu sehen, was in den verschiedenen Parallelwelten
anders oder neu ist, zumal man auch immer wieder neue Gegner, Orte, Rätsel und Musikstücke kennenlernt.
Das Gameplay überzeugt durch eine unkomplizierte Steuerung, jedoch führen die mitunter sauschweren Sprungpassagen
nicht selten zu Frust beim Spieler. Spaßig hingegen sind die mehr oder minder anspruchsvollen Minispiele wie beispielsweise
die Fahrt mit dem Minenwaggon oder die zahlreichen Puzzles, die in den verschiedenen Katakomben und Schlössern des Spiels
auf ihren Meister warten.
Die Idee mit den Kopfgeldjäger-Lebenspunkten ist eine originelle Alternative zum herkömmlichem Geld- und EXP-System.
Der Charakter kann so individuell fortgebildet und gestärkt werden, solange man fleißig Punkte sammelt und diese
sinnvoll einsetzt.
Das Kampfsystem weist mehrere Schwächen auf, ist aber weder langweilig, noch unmotivierend. Es macht Spaß, die
verschiedenen Gegner einzufangen und in späteren Kämpfen einzusetzen. Desweiteren ist man immer bestrebt, einen
möglichst perfekten Kampf abzuliefern, was angesichts des niedrigen Schwierigkeitsgrades zwar keine allzu
schwierige Herausforderung darstellt, aber dennoch Spaß macht.
Die Musik weiß stets zu überzeugen, wenngleich es nur zwei bis drei wirklich markante Stücke auf dem Soundtrack gibt.
Die Soundeffekte hätten definitiv zahlreicher ausfallen können, weil sie doch eigentlich recht gut gelungen sind.
Alles in allem ist Dark Savior ein Titel, den jeder Saturn-Besitzer und RPG-Fan einmal angespielt haben sollte. Es
lässt sich qualitativ eher im oberen Mittelfeld ansiedeln, weil leider doch zu viele Schwächen vorhanden sind. Und
weil es fast überall so günstig zu haben ist, kann man mit einer Investition von maximal 30 EUR eigentlich
nichts falsch machen. Mein Tipp!
beigetragen von !ckS |