| Plattform: Saturn |
Info |
Erstveröffentlichung: 1998 |
| Entwickler: Team Andromeda |
Region: JP / US / EU |
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| beigetragen von !ckS |
Obwohl
Sega seine Konsolen nie wirklich geschickt zu vermarkten wusste, kamen gerade in den letzten
Lebenstagen des Saturns einige Top-Titel heraus, die sich bis heute ohne Frage zu den besten
Spielen der 32-Bit-Generation zählen können. Und war 1998 doch das Jahr, in dem Final Fantasy
VII gerade frisch Europa erobert und das RPG-Genre weltweit neu definiert hatte, will dies
sogar was heißen!
Sega wusste genau, sein todgeweihter Saturn lag im Sterbebett und hatte nicht mehr lange. Etwas
Besonderes musste her, ein riesiges "BOOM!", ein krönender Abschluss für eine Spielkonsole,
dessen kleines Herz leider nie die nötige Liebe fand, um auch außerhalb Japans zu einem
ernsthaften PSX-Konkurrenten avancieren zu können. So keuchte der scheidende Saturn noch
einmal laut auf und ließ mit letzter Kraft die Worte "Panzer Dragoon" verlauten, ehe sein
Powerlicht endgültig erlosch.
Der Name "Panzer Dragoon" war bis dato nur als Titel einer zweiteiligen Rail-Shooter-Serie bekannt,
von der später noch eine weitere Episode mit dem Namen "Panzer Dragoon Orta" für die X-Box erschien.
Außerdem gab es für Segas tragbare Konsole, den Game Gear, ebenfalls ein Panzer-Dragoon-Spiel im Stil
von Arcade-Shootern wie Space Harrier.
Kenner der Serie wussten, dass die Welt von Panzer Dragoon schon immer eine Welt war, der das Wort
"Rollenspiel" gebrandmarkt auf der Stirn geschrieben stand. Also ging Team Andromeda den entscheidenden
Schritt und entwickelte ein RPG-Spin-Off dieser faszinierenden Welt, mit einer ebenso einzigartigen wie
komplexen Story, die Panzer Dragoon auch zuvor schon als Serie geprägt hatte.
Mit einer weltweiten Gesamtauflage von nicht mehr als 100.000 Einheiten wird Panzer Dragoon Saga heute
als einer der seltensten und begehrtesten Saturn-Titel überhaupt gehandelt. In Spielerkreisen gilt es
als "das eine Spiel, das jeder kennt, jeder haben will, aber fast niemand gespielt hat". In den USA,
wo etwa nur 30.000 Kopien veröffentlicht wurden, bekommt man kein Exemplar mehr unter 100
Dollar (gebraucht, versteht sich), vorausgesetzt man findet überhaupt jemanden, der gewillt ist,
diese Perle eines Rollenspiels freiwillig herzugeben. In Europa wurden sogar noch weniger Exemplare
des Spiels veröffentlicht, also sollte man sich keine allzu großen Hoffnungen machen, überhaupt
noch an ein Exemplar heranzukommen, geschweige denn zu einem humanen Preis.
Leider besteht gegenwärtig auch keine Aussicht auf eine Neuveröffentlichung von Panzer Dragoon
Saga für aktuelle Konsolen (außer als Remake), da der Original-Quelltext des Spiels laut Yukio
Futatsugi (Director) nicht mehr existiert und selbst Sega kein Interesse an einer Neuauflage
auf.
Story
Ihr seid Edge, ein gelangweilter Soldat einer Ausgrabungsstätte, welche im Auftrag des Imperiums ein
Minenprojekt in den Bergen durchführt. Nachdem die Arbeiter eines Tages auf ein mysteriöses, in Stein
eingearbeitetes Mädchen stoßen und entsprechend davon berichten, wird die Gruppe von einer rebellischen
Fraktion des Imperiums, angeführt von einem gewissen Lord Craymen, überfallen und getötet. Das Mädchen
in Stein nehmen die Banditen ebenfalls mit.
Lediglich Edge, der zwar angeschossen, aber nicht getötet (jedoch für tot gehalten) wird,
entgeht dem Angriff, indem er tief in einen Minenschacht fällt und dort umgeben von Wasser
und vielen Monstern wieder zu sich kommt. Am Rande der Verzweiflung stehend wird er von
einem uralten Drachen gerettet, mit dem er schließlich aus den Ruinen flüchtet. Es entsteht
ein Bund zwischen den Beiden und Edge beschließt, die Kraft des Drachen zu nutzen, um den
korrupten Überfall auf seine Freunde, seinen Mentor und sein Leben zu rächen. Dabei erfährt
er unter anderem, was es mit Craymen, dem mysteriösen Mädchen und dem ominösen "Tower" auf
sich hat. Ein episches Abenteuer voller Kehrtwendungen und Verrat beginnt.
Auf seinem Kreuzzug begegnet Edge einer Vielzahl von interessanten Persönlichkeiten, wie
dem etwas ungeschickten Mechaniker, dem korrumpierten Bürgermeister, dem schattenhaften Imperator
sowie dem fragwürdigen, aber dennoch freundlichen "Seeker" Gash. Dieser wird schon recht früh im
Spiel euer Gefährte, obwohl ihr nicht viel über ihn wisst. Erst im Laufe der Story erfahrt ihr mehr
und mehr über ihn und seinen komplexen, aber nicht uninteressanten Hintergrund.
Gleichzeitig lässt sich beobachten, wie Edge vom gewöhnlichen, naiven Söldner zum epischen Retter
reift, mit einem Herzen aus Gold, angetrieben jedoch durch nichts Anderes als Rache. Es gibt kein
Gut und Böse in Panzer Dragoon Saga. Jeder Charakter ist durch und durch menschlich, mit hellen wie
dunklen Seiten. Ihr werdet sogar an den scheinbaren Antagonisten wie Craymen und Azel (jenem
"Steinmädchen") erkennen, dass die Rollenverteilung in Panzer Dragoon Saga kein gewöhnliches
"Gut-gegen-Böse"-Spielchen ist. Jeder Charakter verfolgt seine eigenen Absichten, hat seine
eigenen Gegenspieler und eigenen Gefühle. So wird sich sogar Azel erst mit euch duellieren, dann
verbünden, dann wieder duellieren usw. - und das in nicht minder epischem Ausmaß.
Und trotzdem werdet ihr sie lieben, genau wie ihr eure Gegenspieler hassen werdet. Panzer Dragoon
Saga reißt euch einfach erbarmungslos in seine Welt hinein - alles wirkt authentisch, lebendig
und dynamisch. Ihr seid halt Edge und ihr wisst genau, was ihr wollt, was euch packt, was an euren
Emotionen zerrt, wer ihr seid. Es gibt keine nervigen Charakter-Entwicklungen in Form von Flashbacks
oder Monolegen, die den ganzen Spielfluss unterbrechen. Ihr erlebt das ganze Geschehen live mit und
erfahrt alles direkt aus vorderster Reihe.

Grafik
Kaum zu glauben, was Team Andromeda hier aus dem eher leistungsschwachen Saturn, welcher
ursprünglich gar nicht als 3D-fokussierte Konsole konstruiert war, herausgekitzelt hat.
Die Grafik von Panzer Dragoon Saga ist schlicht umwerfend und macht das Spiel ungelogen
zu einem der optisch anspruchsvollsten Titel auf dem Sega Saturn, heutige grafische Standards
mal vollkommen außer Acht gelassen.
Kleiner technischer Wermutstropfen sind die mitunter leider sehr polygonarm konstruierten
Menschenmodelle, deren Bewegungen scheinbar nicht einmal auf Motion-Capturing basieren. Es
gibt stellenweise sogar Zweifel, ob "das", womit man gerade redet, überhaupt menschlichen
Wesens ist. Zweites Manko sind die zum Teil verwaschenen und schmutzigen Texturen, die
manchmal nicht wirklich zur Schönheit der Umgebung beitragen. Dennoch überzeugt Panzer Dragoon
Saga überwiegend durch traumhaft schöne und einzigartige Grafik, die lediglich im Detail hier
und da Anlass zur Kritik gewährt.
In Sachen Farbvielfalt weiß Panzer Dragoon Saga vor allem durch seine kunterbunten Kampfmodelle
zu überzeugen. Diese strotzen förmlich vor Leben und Detailreichtum, absolut kein Vergleich zu
den polygonarmen Klotzmännchen aus dem Walking-Modus. Und hat man erst einmal die originelle
Morphing-Funktion freigespielt, sieht man wirklich, was allein das eigene Drachenmodell an
grafischer Vielfalt zu bieten hat, vorausgesetzt man findet überhaupt jemals ein Limit an all
den verschiedenen Formen, die euer geflügeltes Haustier annehmen kann. Toll, was der Saturn
hier an Morphing-Effekten bietet.
Wenn ihr nicht gerade am Kämpfen oder Durchqueren von Städten, Dungeons, Wüsten oder Wäldern
seid, wird die Story in Form von In-Game- bzw. CG-Videosequenzen fortgeführt. Letztere dürften
der Grund sein, warum dieses epische Meisterwerk volle 4 CDs umfasst. Die Videos sind allesamt
mehr als beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, auf welcher Konsole wir hier spielen und
in welchem Jahr wir uns befinden. Zwar reichten sie ihrerzeit nicht immer an die Konkurrenz
von Final Fantasy VII heran, jedoch sind sie qualitativ durchaus auf demselben Level
anzusiedeln, gar keine Frage! Besonders die flüssigen Drachenanimationen und atmosphärischen
Lichteffekte erwecken immer wieder das Gefühl, in einer einzigen Fanatasiewelt versunken zu
sein, die doch sehr real anmutet.
Wasser schimmert, Fische schwimmen, Wasserfälle spritzen, Vögel fliegen in die Ferne hinaus.
Ödland, Wüsten, Wälder, Gewässer, Berge - alles sieht so majestätisch und originell aus. Man
besichtigt riesige, unterirdische Katakomben; sieht gewaltige Explosionen; erkundet große,
lebhafte Städte bei Tag und Nacht; kämpft gegen gigantische Luftschiffe und erkundet die
tiefsten Dungeons. Team Andromeda ist es wahrlich gelungen, ein post-apokalyptisches Ambiente
zu schaffen, das trotz aller Düsterheit in nur einem einzigen Wort zusammenzufassen ist:
Atemberaubend!
Kein Areal gleicht dem anderen, jede noch so exotische Location von Panzer Dragoon Saga nimmt
einen Platz im Gedächtnis ein. Alles, was man sieht, ist Schönheit pur, ausnahmslos! Da stören
selbst die zuweilen auftretenden Slow-Downs kein kleines Bisschen.
Gameplay
Panzer Dragoon Saga lässt sich spielerisch in drei Teile gliedern: Laufen, Fliegen, Kämpfen. Auch wenn
die Steuerung grundsätzlich keine Streitfrage in RPGs ist, kommt sie in Panzer Dragoon Saga doch sehr
brillant rüber, sowohl in Hinsicht auf Gameplay wie auch auf Technik. Sogar der spezielle
Saturn-Analog-Controller wird unterstützt, was noch flüssigere Bewegungen erlaubt.
Ihr steuert eure Figur stets durch eine 3D-Welt, und zwar überwiegend aus der Rückenansicht.
Je nachdem, ob ihr gerade kämpft, lauft oder fliegt, haben Steuerkreuz (bzw. Analog-Stick)
und Tasten andere Funktionen. Kameraprobleme gibt es so gut wie nie.
Zu Fuß habt ihr die Möglichkeit, Städte zu erkunden, versteckte Items zu finden, Hinweise
zu sammeln, euch mit Leuten zu unterhalten sowie natürlich ein paar Dyne (das Geld in PDS)
für neue Items und Waffen auszugeben. Zusätzliches Equipment wie Helme, Rüstungen, Accessoires
etc. gibt es in Panzer Dragoon Saga nicht, ihr habt nur euren Drachen und eure Pistole, ganz
simpel.
Außerhalb von Kämpfen könnt ihr euch in alle Richtungen bewegen, so weit wie es die Begrenzungen
erlauben. Mit Hilfe eines Cursors können Dinge, Personen und Schalter in der Umgebung anvisiert
und untersucht werden. Interessant ist hierbei, dass manche Objekte erst ab einem
gewissen "Laser-Rank" aktiviert werden können. Dieser Rank steigt mit der Entwicklung des
Drachen und bestimmt nicht nur dessen Aussehen, sondern auch seine Angriffsstärke, z. B.
wie viele Homing-Laser er auf einmal abfeuern kann. Stellenweise sind auf diese Weise auch
kleine Puzzles zu lösen.
Zwischenkämpfe finden nur im Flug-Modus statt, also während ihr euch auf dem Rücken eures
Drachen befindet. Ein Radar in der Bildschirmecke zeigt dabei, in welcher Gefahrenzone ihr
euch bewegt. Ist der Hintergrund des Radars beispielsweise gelb oder gar rot gefärbt, ist
mit intensiven Monster- bzw. Boss-Begegnungen zu rechnen. Des Weiteren zeigt der Radar neben
Flughöhe und -geschwindigkeit auch einige Objekte in der Umgebung an, wie etwa
Speicherpunkte, Kisten oder Schalter, die ihr dann leichter lokalisieren könnt. Insgesamt
ein sehr hilfreiches Navigationsmittel.
Kampfsystem
Hier kommen wir zu dem, was Panzer Dragoon Saga bis zum heutigen Tage vom gesamten Rest des
RPG-Genres unterscheidet: seinem einzigartigen Kampfsystem! Wie zuvor schon gesagt, kommt
es im Flug-Modus immer mal wieder vor, dass ihr in eine Gefahrenzone hineinfliegt, in der
zufällig Monster auftauchen können. Diese seht ihr nicht direkt, sondern es kommt ähnlich
wie in den meisten Rollenspielen zu einem so genannten Zufallskampf. Diese tauchen in
angemessenen Mengen auf, sprich nicht zu oft und auch nicht zu selten. Trotzdem ist diese
Form der Monsterbegegnung heutzutage eher antiquiert und bei den meisten Spielern unbeliebt.
Dringt man in ein neues Gebiet ein, lernt man in der Regel sofort die einheimischen Widersacher
kennen. Das können Rieseninsekten, Sandwürmer, feindliche Luftschiffe, Vogelschwärme, Pflanzen,
ja alles Mögliche sein. Habt ihr gerade einen Begleiter dabei (z. B. Gash oder Azel), wird
dieser evtl. ein paar Kampftipps geben, z. B. wie dieses und jenes Monster am schnellsten
zu besiegen ist oder worauf man besonders Acht geben sollte.
Im Großen und Ganzen ist das Kampfsystem ein gelungener Mix aus Echtzeit- und Rundenbasiertem
Kampfsystem. Ihr könnt entscheiden, ob ihr links bzw. rechts neben eurem Gegner, direkt vor
ihm oder an seinem Heck fliegen wollt. Das heißt, das Kampffeld ist in 4 Sektoren unterteilt,
zwischen denen ihr beliebig hin- und herwechseln könnt. Anhand des Radars am unteren
Bildschirmrand seht ihr genau, wo euer Drache gerade positioniert ist. Dennoch hat jeder
Sektor seine Vor- und Nachteile und wird je nach Gefahrensituation in einer anderen Farbe
dargestellt: Grüne Flächen sind in der Regel sicher, schützen aber nicht immer hundertprozentig
vor feindlichen Attacken. Außerdem kann man von hier meist nicht sehr viel Schaden austeilen.
In den farblosen (transparenten) Abschnitten des Radars ist das Verhältnis zwischen Abwehr und
Verteidigung auf beiden Seiten (Spieler/Feind) in etwa ausgeglichen, d. h. hier wird man vermehrt
angegriffen, kann aber auch gut austeilen. Rote Flächen hingegen bedeuten immer die höchste Gefahr
für den Spieler, allerdings mitunter auch für den Feind, da sie oftmals die Schwachpunkte des
Gegners offenbaren.
Will man also besonders hohen Schaden erzielen, ist es meist sinnvoll, sich erst in einem
sicheren Bereich "aufzuladen", dann schnell zur roten Zone überzuschwenken und schließlich
einen fatalen Angriff auf den "Weak Point" zu starten. In einigen Bosskämpfen ist dies
sowieso unumgänglich, zumal es auch Gegner gibt, die überhaupt keine sicheren Zonen besitzen.
Manchmal kann es sogar passieren, dass ein komplett grünes Kampffeld auf einmal komplett rot
wird, oder die Zonen drehen sich einmal um 180 Grad. Flexibilität, Taktik und geschickte
Schadensbegrenzung sind sehr wichtige Elemente im Kampfsystem von Panzer Dragoon Saga.
Um zu den Energiebalken zurückzukommen: Befindet ihr euch also gerade im "Stillstand", laden
sich unter eurer Status-Anzeige (Normal, Poisoned, Stunned etc.) nacheinander bis zu drei Balken
auf. Sobald mindestens ein Balken gefüllt ist, könnt ihr wahlweise eure Pistole benutzen, mehrere
Homing-Laser abfeuern, ein Item benutzen oder (zumindest später im Spiel) euren Drachen morphen.
Das Morph-System ist eine GENIALE Innovation im gesamten RPG-Genre. Man kann inmitten eines
Kampfes festlegen, welchen Schwerpunkt der Drache in Bezug auf Angriff, Verteidigung, Agilität
und Geist haben soll. Dabei sieht man seinen Drachen in einem kreisförmigen Fenster, das in
vier Bereiche aufgeteilt ist. Schiebt man den Regler von der Mitte des Fensters (alle Werte
ausgeglichen) in einen der Sektoren hinein, verändern sich die Statuswerte des Drachen
entsprechend. So kann z. B. die Angriffsstärke auf 200 Einheiten verdoppelt werden, während
ein korrespondierendes Attribut (in diesem Fall die Abwehr) komplett auf 0 abfällt. So lässt
sich haargenau bestimmten, auf welchem Gebiet der Drache am stärksten sein soll und welche
Eigenschaft im Moment am unwichtigsten ist. Und das Beste daran: Ganz egal, wo man den Regler
hinschiebt, verändert sich das Aussehen des Drachen: vom extrem defensiven Schlachtschiff bis
zum spargelschlanken Zauberwunder, je nachdem, was die Situation gerade erfordert. Hier sind
alle erdenklichen Kombinationen möglich, und der Drache verwandelt sich in Echtzeit.
Ist eine dieser "1-Balken-Aktionen" getätigt worden, sinkt eure Energieleiste um diesen
verlorenen Balken, der dann aber wieder neu aufgeladen wird.
Mit zwei vollen Balken können die sogenannten "Berserker-Techniken" ausgeführt werden -
diverse Spezialattacken, welche euer Drache im Laufe des Spiels automatisch durch Level-Ups
erlernt. Dadurch können Flächenangriffe gestartet, Schutzbarrieren aktiviert, Wunden geheilt
und viele andere nützliche Aktionen durchgeführt werden.
Bei drei vollen Balken werden eure Hitpoints schrittmäßig regeneriert, was den Schwierigkeitsgrad
des Spiels leider drastisch senkt, aber immerhin gibt es auch viele Gegner und Bosse, die gar
keine Verschnaufpausen dieser Art erlauben. Wenn ihr keine Heilung benötigt, könnt ihr die drei Balken
auch für eine besonders mächtige Spezialtechnik nutzen. Beachtet jedoch, dass jede Spezialaktion auch
"Berserk Points" (BP) in Anspruch nimmt, welche separat aufgefüllt werden müssen.
Je nachdem, wie schnell und taktisch ausgetüftelt ihr einen Gegner besiegt habt, erhaltet ihr
am Ende des Kampfes eine Bewertung, die dann über gewonnene Erfahrungspunkte, Items und Geld
entscheidet. Eine Monster-Datenbank im Menü hält sogar fest, welchen Gegner ihr mit welchem
Ranking besiegt habt, auch Bosse.
Insgesamt sind die Zufallskämpfe in Panzer Dragoon Saga allesamt sehr einfach bis kaum
bedrohlich, allerdings sieht es da bei den Bossen schon ganz anders aus. Gerade diese
verlangen oftmals sehr viel mehr als nur superstarke Attacken von euch ab. Köpfchen ist
gefragt! Wann gibt der Feind seine Deckung auf? Wie gelange ich an seinen Schwachpunkt?
Welchem Muster folgen seine Angriffe? Nehme ich Laser, Berserk oder Waffe? Wie morphe ich
meinen Drachen? Alles Fragen, die erst geklärt werden müssen, bevor man behaupten kann,
einen Feind durchschaut zu haben. Andernfalls hat man nur selten eine Chance, sicher zu
überleben, und gerade das ist das spaßige und motivierende am ganzen Kampfsystem.
Sound
Klar, kein Rollenspiel ist perfekt ohne anständige Soundkulisse. Erwähnte ich schon, dass Panzer
Dragoon Saga perfekt ist? Man kann den Soundtrack mit vielerlei Worten beschreiben: brillant,
cineastisch, verträumt, launisch, frisch, majestätisch, aber vor allem: EPISCH!!!
Diese Stammestrommeln untermalt von engelsgleichem Chor und dezenten Technobeats sind einfach
unverwechselbar Panzer Dragoon! Sie lassen das Spiel aufblühen und man schmilzt ab der ersten
Sekunde des kurzen Teaser-Intros ins Abenteuer hinein. Mir fällt gar kein passender Vergleich
zur markanten Musik von Panzer Dragoon ein.
Was dieses Spiel außerdem von den meisten 32-Bit-Rollenspielen unterscheidet, ist die durchgehend
fesselnde Sprachausgabe, die zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der emotionalen Glaubwürdigkeit der
Charaktere aufkommen lässt. Zwar versteht man kein Wort des Gesprochenen, da zum größten Teil
Japanisch (mitunter sprechen die Charaktere eine fiktive Sprache), jedoch haben die Sprecher
ein derartiges Talent an den Tag gelegt, dass man selbst ohne die eingeblendeten Untertitel
erahnen könnte, in welcher Gefühlslage die Personen sich gerade befinden. Man weiß auf Anhieb
Trauer, Aufregung, Zorn und Gelassenheit instinktiv zu deuten, von beiden Seiten der
Rollenverteilung. Und hört man erst einmal Azel sprechen, gerät alles um einen herum nur noch
in ein einziges Meer von Vergessenheit - ihre Stimme lässt einem die Haut kribbeln.
Selbst die Flügelschläge eures Drachen klingen dermaßen authentisch, dass es fast schon wehtut,
ihn schreien zu hören, wenn er getroffen wird oder gar abstürzt. Insgesamt ist der Soundtrack
von Panzer Dragoon Saga einfach nur bombastisch und fesselnd. Hier hat Team Andromeda wahrlich
an die Klasse der Vorgängerspiele angeknüpft.
Schlusswort
Panzer Dragoon Saga ist ein einziges episches Meisterwerk und wird zu Unrecht als Segas Antwort auf
Final Fantasy VII gehandelt. Denn es ist viel mehr als das! Es ist eine vollkommen einzigartige
Erfahrung, die man in seinem Leben nicht vergessen wird. Trotz aller Düsterheit, dem
post-apokalyptischen Ambiente und jedem Schrecken, den dieses Spiel ausstrahlt,
offenbart es sich doch als einzige Schönheit, wenn auch in sehr ungewöhnlichen Formen.
Panzer Dragoon ist eine ganz eigene mythische Fantasiewelt, dargestellt auf eine Weise,
die so involvierend, künstlerisch und fesselnd in keinem anderen Spiel zuvor zu finden war.
Der Spieler wird in eine Welt hineingezogen, die technisch und erzählerisch kaum brillanter
sein könnte. Kaum legt man den Controller aus der Hand, hält man sofort inne und denkt über
all die tollen und einzigartigen Dinge nach, die das eigene kleine Universum von Panzer
Dragoon Saga so faszinierend machen - und dann wird einem bewusst, dass es doch nur ein
Märchen ist.
Zu Schade, dass dieses Spiel trotz seiner Genialität nie erfolgreich genug war, um die Lebenszeit
des wenig geliebten Saturn zumindest um ein paar Jahre zu verlängern. Panzer Dragoon Saga ist
ohne Frage einer der besten RPG-Titel aller Zeiten und stellt ganz eindeutig das große
Potenzial Team Andromedas unter Beweis. Selbst die für ein 4 CDs umfassendes Rollenspiel-Epos
doch sehr geringe Spielzeit von höchstens 20 bis 25 Stunden reicht aus, um den Spieler
mindestens für eine kleine Ewigkeit in den unvergesslichen Bann von künstlerischer,
musikalischer und erzählerischer Perfektion zu ziehen.
Wer einen Sega Saturn zu seinem Besitz zählen darf und etwa 100 EUR übrig hat, sollte
unbedingt nach dieser beinahe schon vergessenen Perle des RPG-Genres Ausschau halten!
Es ist definitiv jeden Cent wert - und wer weiß? Vielleicht kommt ja eines Tages doch
das lang ersehnte Remake... |
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