Nachdem Konami mit Teil 4 seiner beliebten Suikoden-Reihe leider überwiegend auf Missmut unter der Fangemeinschaft stieß, war klar, dass
das nächste epische Abenteuer speziell in Sachen Gameplay, Umfang und Story deutlich an Qualität zulegen musste, ohne aber auf typische
Stilmittel und Traditionen der Serie verzichten zu müssen. So sollte es natürlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Spieler auch
in dieser Episode wieder bis zu 108 verschiedene Charaktere in sein Team aufnehmen und trainieren kann.
Ihr übernehmt die Rolle des jungen Prinzen vom Königreich Falena, der ein recht gereiftes und heiteres Leben führt, bis seine Mutter,
scheinbar unter dem Einfluss einer mächtigen Rune stehend, wegen einer drohenden Revolte des naheliegenden Dorfes Lordlake durchzudrehen
scheint. Dabei gilt jener Ort überhaupt als loyalster Part des Königreiches, was die Königin aber trotzdem nicht einmal dazu verleitet,
sich der Sache vorerst friedlich anzunehmen.
Stattdessen veranstaltet sie ein kleines "Barbeque" im Dorf, um sämtlichen möglichen Revolten vorzubeugen. Dass diese Handlung zu
großem Entsetzen unter ihrem Volk führt, dürfte wohl klar sein.
Zwei Jahre später: Wir sehen den Helden mit seiner Assistentin und zwei weiteren Begleitern auf einem Boot richtung Falena fahren.
Die Königin hatte die Gruppe entsandt, um die Lage in den Ruinen von Lordlake zu checken. In der Heimat angekommen, wird unser Prinz
natürlich erstmal jubelnd vom Volk empfangen. Besonders die Prinzessin scheint sichtlich über die Rückkehr des wortkargen Helden
erfreut zu sein, so als hätte sie keine Sekunde länger auf ihn warten können.
Bei der Audienz mit der Königin werdet ihr zunächst vor die Entscheidung gestellt, ob ihr eure Mutter vornehm und angemessen, wie
es sich für einen Prinzen gehört, begrüßen wollt, oder eher locker leicht und freundschaftlich. Kenner der Serie werden in diesem
Moment schon ahnen, dass dies nicht die letzte Auswahlentscheidung gewesen sein wird, die man im Laufe des Abenteuers treffen muss.
Von allein redet unser Held ja eher wenig... ;)
Nach mehreren kleinen Gesprächen bittet die Königin schließlich um euren Bericht, welcher ihr (und uns) in Form eines spielbaren
Flashbacks präsentiert wird: Ihr seid also in Lordlake angekommen, um die Situation des zerstörten Dorfes zu überprüfen. Dass
die verbliebenen Anwohner nicht allzu glücklich über eure Anwesenheit sind, bekommt ihr schon recht früh zu spüren. Der Ort wirkt
wie eine Geisterstadt, fast leblos, und der einst prächtige See im Dorfzentrum ist seit dem schrecklichen Vorfall vor zwei Jahren
gänzlich trockengelegt. Dennoch weigern sich die Menschen hartnäckig, ihre zerstörten Unterkünfte aufzugeben.
Die Steuerung des Helden erfolgt aus einer 3/4-Vogelperspektive (Schrägansicht) und kann mithilfe der Schultertasten sowie des
rechten Analogsticks beeinflusst werden. Bei der Erkundung von Lordlake wird euch schnell auffallen, dass Rionne, eure Assistentin,
euch überallhin nachläuft, ähnlich wie es die Teammitglieder in 'Final Fantasy VIII' oder 'Chrono Cross' gemacht haben.
Nachdem ihr die Steuerung also kennengelernt habt, erfolgen erste Einweisungen in
das Kampfsystem. Ihr stößt auf eine Gruppe von besorgten Einwohnern, die sich um einen Freund sorgen, der in den naheliegenden
Wald aufgebrochen ist. Dieser ist, wie konnte man es auch anders ahnen, von gefährlichen Monstern geradezu überfüllt, also zögert
Rionne nicht lange und bietet den Bewohnern an, ihren vermissten Freund zu retten.
Im weiteren Verlauf der Audienz erhält man schließlich mehr und mehr den Eindruck, dass etwas mit der Königin nicht stimmt. Also
erkundigt man sich ein Bisschen im Schloss und erfährt so u.a. mehr über die drei Runen von Falena, z.B. dass diese für den
Wohlstand des Königreiches verantwortlich sind. Beunruhigend ist jedoch, dass die Königin seit dem Vorfall vor zwei Jahren
ziemlich im Bann der Sonnenrune zu stehen scheint und sich vielleicht deswegen so komisch verhält.
Suikoden V ist gameplaymäßig ein sehr angenehmer Mix aus Alt und Neu. Man erlebt keine allzu großen Überraschungen beim Spielen,
staunt aber trotzdem nicht schlecht über die vielen neuen Änderungen, die dem Spiel einen weiteren, positiven Touch von
Einzigartigkeit verleihen. Erfreulich ist vor allem die Rückkehr der Top-View-Weltkarte, nachdem man in Suikoden IV ja immer
nur in Schiffen von einer Insel zur anderen gegondelt ist.
Durch das rundenbasierte Kampfsystem wird dem Spieler ein ähnliches Gefühl vermittelt, wie er es vielleicht schon von den ersten
beiden Episoden der Serie kennt, und das ist auch gut so! Man hat nicht einfach nur alte Elemente übernommen und grafisch aufgemotzt,
sondern eine Vielzahl neuer Ideen implementiert. So können beispielsweise neben den sechs aktiven Kämpfern bis zu vier Charaktere
in Reserve gehalten werden.
Interessant ist auch das "Tactical Formation System", welches bis zu 20 verschiedene Formationen erlaubt. Diese bestimmen, wie die
einzelnen Charaktere im Kampf verteilt sind, wodurch so mancher Bonus wie z.B. erhöhte Kampfwerte oder Gruppenheilung aktiviert wird.
Außerdem gibt es natürlich offensive wie defensive Kampfformationen.
Und damit nicht willkürlich irgendwelche Charaktere auf irgendwelche Positionen gestellt werden, verfügt jeder Kämpfer über einen eigenen
Waffentyp. Es gibt Nahkampfwaffen mit kurzer Reichweite (Short-Range) und Fernkampfwaffen mit erhöhter Reichweite (Long-Range), wie
etwa Bögen und Boomerangs. Dadurch ist es einem Short-Range-Kämpfer zum Beispiel nicht möglich, aus der hinteren Kampfreihe
anzugreifen, da er aufgrund seines Waffentyps nicht an den Gegner herankommt.
Was die altbekannten Traditionen angeht: Keine Sorge! Es ist wieder alles mit dabei, was auch schon die früheren Spiele ausgezeichnet
hat: Mann-gegen-Mann-Duelle, groß angelegte Massenschlachten, zahlreiche Mini-Games, Kombi-Angriffe und und und...
Insgesamt präsentiert sich Suikoden V als solider, viel versprechender Nachfolger des leider nicht sehr gelungenen vierten Teils,
welcher nicht nur viel realistischer aussieht, sondern gleich die ganze Serie in eine neue Richtung zu lenken scheint. Die Charaktere
sind traumhaft schön animiert und sehen sogar in der dichtesten Kameransicht sehr detailliert aus. Man erkennt auch einen klaren
Farbunterschied zur letzten Episode, welche ja noch deutlich farbärmer und trister rüberkam.
Durch die dezent ausgelegte Sprachausgabe fühlt man sich zu keinem Zeitpunkt genötigt, die Lautstärke zu mindern oder gar
abzuschalten. Hier hat Konami ganz gekonnt an die hervorragende Tonqualität des Vorgängers angeknüpft - Kompliment!
Und musikalisch gab es in der Suikoden-Reihe ja sowieso noch nie großartig was zu meckern, ebenso hier nicht. Die Stücke
reichen von harmonisch, friedfertig bis wachrufend, stürmisch und überzeugen in Sachen Qualität auf ganzer Linie. Hier scheint
sich wahrlich ein Toptitel anzubahnen.
beigetragen von !ckS |