Final Fantasy Tactics Review

von Lagi
The Zodiac Brave Story

Final Fantasy Tactics ist, neben der Front-Mission-Reihe, Squares bekanntester Ausflug ins Strategie-Genre. Das Spiel wurde im Wesentlichen von demselben Entwicklerteam designt, das schon für das in Japan höchst erfolgreiche 16-bit-Taktikgemetzel „Tactics Ogre“ verantwortlich zeichnete. Entsprechend ähnlich spielen sich die beiden Games, bis hin zu Details in den Storylines gibt es Gemeinsamkeiten.


Story

Grundlage des Spiels ist die Geschichte des „Lion Wars“: In der europäisch-mittelalterlich angehauchten Welt des Reichs Ivalice entbrennt zwischen zwei Adelsfraktionen ein Krieg um die Thronnachfolge. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Ramza, Adelssprössling und Anwärter auf die Ritterschaft.

Ramza ist der jüngste Sohn der berühmten Beoulve-Familie, einer Dynastie von Rittern, die traditionell dem Haus Larg dienen. Larg ist einer der beiden Anwärter auf den Thron. Mit seinem Freund Delita, einem Abkömmling einfacher Leute, gerät Ramza durch eine Verkettung verschiedener Umstände zwischen die Fronten des Krieges und macht sich bald alle Fraktionen zum Feind, allen voran die mächtige Kirche, die im Konflikt eine zentrale Rolle zu spielen scheint.

Die Geschichte funktioniert auf vielen Ebenen: Der Kampf zwischen Adel, Klerus und einfachem Volk bereitet nur die Bühne für die bitteren Gewissenskonflikte, vor die die Akteure laufend gestellt werden. Leider ist die sehr düstere Story ebenso komplex und gehaltvoll wie unnötig zerfahren, und krankt an einem lückenhaft wirkenden Skript sowie der schwächsten Square-Übersetzung seit Final Fantasy IV.

Trotzdem wird eine enorm dichte Atmosphäre aufgebaut, und die in schöner Regelmäßigkeit enthüllten Intrigen und Ränkespiele hinter den Kulissen verblüffen ein ums andere Mal. Zudem hat das Spiel mit Delita einen der interessantesten, zwiespältigsten Charaktere der RPG-Geschichte – sein letzter Auftritt nach dem Abspann gehört sicherlich zu den beeindruckendsten Szenen, die man je in einem Square-Spiel finden wird.


Grafik & Sound

Technisch ist das Spiel, bedenkt man den Zeitpunkt des Erscheinens und die Plattform, erstklassig. Die Grafik zeigt wunderschön gezeichnete und animierte Sprites vor einfachen, aber plastisch wirkenden Polygonhintergründen, und glänzt ansonsten vor allem durch die tollen Zauber- und Beschwörungsanimationen.

Auch der Soundtrack ist hochklassig und bietet überwiegend klassische Schlachtenmusik, die immer zur Situation passt und teils noch lange nach Spielende im Ohr bleibt. In den Storysequenzen zwischen den Kämpfen passt sich die Musik wunderbar dem zumeist sehr melodramatischen Geschehen an und verleiht vielen Szenen eine ganz eigene Stimmung.


Gameplay

Im Mittelpunkt von Final Fantasy Tactics stehen aber die unzähligen Schlachten, die Ramza und Gefährten bestreiten. Auf über 70 kompakten Battle Maps finden sich die Kriegsparteien zum rundenbasierten Kampf ein, sei es in Zufallsbegegnungen oder storyrelevanten Bosskämpfen.

Zwar sind pro Party nur maximal fünf Kämpfer zugelassen, dafür wirken sich viele Faktoren wie das Terrain, die Aufladezeit eines Zauberspruchs oder auch einfach die Blickrichtung der Charaktere wesentlich auf das Kampfgeschehen aus, und die Fülle an Spezialfertigkeiten und Kampfoptionen lässt nie Langeweile aufkommen.

Genialerweise wurde das Jobsystem aus Final Fantasy III und V übernommen und sogar noch ausgebaut. Wer das Spiel nur einmal schnellstmöglich durchzockt (was auch schon mindestens 30 Stunden in Anspruch nehmen dürfte), wird dabei nie die ganze Vielfalt des Gameplays zu Gesicht bekommen.

Neben exotischen Jobklassen wie Mathematikern und Barden warten einige Secrets und Bonuscharaktere (darunter Cloud aus Final Fantasy VII) sowie dutzende von winzigen Bonus-Sidequests auf ihre Entdeckung.


Fazit

Wenn es am Gameplay etwas auszusetzen gibt, dann ist das der unausgewogene Schwierigkeitsgrad. Überwiegend ist das Spiel recht einfach, dann kommt immer mal wieder zwischendurch völlig unerwartet ein knüppelharter Bosskampf, der den Spieler kräftig ins Schwitzen bringt. Quasi als ausgleichende Gerechtigkeit wird im letzten Spielabschnitt ein Cheat-Modus („Thunder God Cid“) freigeschaltet, der die finalen Schlachten fast schon zur Farce macht.

Trotzdem sollte man sich Final Fantasy Tactics nicht entgehen lassen. Das Spiel ist stimmig, immer motivierend und in jeder Hinsicht anspruchsvoll und kann schon jetzt als Klassiker bezeichnet werden.

Während die PlayStation-Originalversion leider nie den Sprung nach Europa schaffte, erschien im Jahr 2007 weltweit eine überarbeitete Neuauflage mit dem Untertitel „The War of the Lions“ für die PSP.

Des Weiteren wurden mit „Final Fantasy Tactics Advance“ (2003) und „Final Fantasy Tactics A2: Grimoire of the Rift“ (2007) zwei Abkömmlinge für Game Boy Advance bzw. Nintendo DS veröffentlicht.